250!

Klick, klick, klick. Toll! Genial! Oh, da, Wahnsinn! Klick. Und nochmals klick. Zur Sicherheit, klick, klick, klick. Schön, so unfassbar schön. Klick, klick. Gewaltig! Alles überragend gewaltig! Klick, klick. Natürlich auch romantisch, zweifellos der romantischste Moment meines Lebens, klick, klick, doppelklick. Unbeschreiblich, da helfen nur Bilder, Worte sind dafür viel zu schwach, viel zu schwach, dreifach abgesichertes vierfach klick, klick, klick, klick. Baaaa, boaaaaa, da, ich glaub‘ es nicht, ich glaub es einfach nicht. klick, klick klickediklick. Darf das wahr sein? Kann es wahr sein? Es muss war sein! Es ist wahr!! Klick, klick, klick….  klick, klick,… klick.

Dann, ganz plötzlich, ist er vorbei, der Urlaub. Und alles was bleibt, sind schöne Erinnerungen, eine überbordende Kreditkartenrechnung und 184,12 Gigabyte Fotomaterial. Natürlich will man damit keinesfalls seine Lieben daheim langweilen, nein, ganz sicher nicht, zumal das Wichtigste bereits via WhatsApp!, Facebook, Instagram und Konsorten gepostet wie auch versendet wurde. Also nur Highlights, die absoluten Highlights. Die Spitzenpics, die Créme de la Créme der Fotokunst. Das Ausgesuchteste des Besten vom Besten. Für die Oma, die olle Nachbarin, die den Briefkasten leerte, und für Onkel Hans, der hat ja gar kein Internet. Unfassbar, kein Internet, der Verrückte, der. Und für mich, sicherlich auch für mich, schließlich will ich mich selbst auch nicht mit dem ganzen Datenmüll herumschlagen, nö, nö. Also aussortieren, alles raus! Ach du grüne Güte, wie oft habe ich denn das geknipst, und das, das und das, und das. Ja spinnt denn die Marie-Louise? 12 Mal dasselbe Bild, lächerlich und tschüss, weg damit. Wu, das war aber schon cool, das auch, mann oh mann war das geil dort.
So. Fertig. 1.370 Bilder sind übrig. Ah, na, das sind noch zu viele, viel zu viele. Nochmals durchgeschaut und wums, gut 100 Stück wurden rausgeschossen. 1.269. Hmmm, okay, recht viele, aber noch im Rahmen würde ich sagen, das passt schon, das geht. Schließlich war’s ein fetzgeiler Urlaub und ich hab’s ja eh auf weniger als ein Prozent zusammengestutzt…. nein, ist gut. Schön, fertig!

Liebe Urlaubsknipser, lasst das! Lasst es einfach bleiben. Um 1.000 Bilder anschauen zu können, braucht man über zwei Stunden. Im Schnelldurchlauf. Ihr wart selbst dort, habt persönliche Erinnerungen, Gefühle werden geweckt, Stimmungen ins Bewusstsein gezaubert. Ihr riecht geradezu das Meer und könnt das Rauschen des Windes hören. Jedes Bild lässt eure Synapsen tanzen und Hormone durchspülen euren Körper. Eure Reise wird wieder lebendig und prolongiert das Glücksgefühl. Für uns Zurückgebliebene sind es hingegen meist recht mittelmäßig in Szene gesetzte Erinnerungsfragmente, die nicht die unseren sind. Bilder, die wir bereits in tausendfach besserer Qualität im Internet, auf einem Kalender oder in einem Fotoband gesehen haben.

Natürlich sind wir deine Freunde. Selbstredend interessieren wir uns für dich. Klar freuen auch wir uns, wenn dir dein Urlaub gefallen hat. Uneingeschränkt gönnen wir dir jeden einzelnen unbeschreiblich schönen Moment deiner Reise. Gerne hören wir dir zu, wenn du spannende Geschichten aus fernen Ländern, von großen Abenteuern und witzigen wie tollen Erlebnissen erzählst. Aber nerv‘ uns nicht stundenlang mit 1.369 optischen Vergewaltigungen, die alles Positive erdrücken und nichts außer gähnender Leere und unendlicher Fadesse in unseren geschundenen Gehirnen hinterlassen und unsere Hintern mit Schmerz erfüllen.

Meckern kann jeder, das weiß ich. Daher habe ich hier meine 12 Punkte für einen gelungenen Bildervortrag zusammengetragen:

  1. Bist du mit deiner Bilderauswahl fertig und rundum zufrieden? Sehr gut, dann lösche jedes zweite Bild.
    (In absoluten Ausnahmefällen kannst du ein ausgesucht nettes Foto einer dir wichtigen Person vorläufig vor dem Papierkorb verschonen, vorläufig)
  2. Wenn du damit fertig bist, gehe die Bilder abermals durch und achte darauf, dass niemals mehr als drei Fotos vom selben Objekt/Ort, von derselben Landschaft/Situation in deiner Auswahl sind.  Noch besser ist eins.
  3. Blumen, Tiere Makroaufnahmen und Sonnenuntergänge sind fraglos toll, achte dennoch darauf, dass niemals mehr als insgesamt 5 Bilder deinen Vortrag ergänzen. Tiere kennt jeder. Blumen kennt jeder und kein Foto der Welt kann die Stimmung eines Sonnenunterganges einfangen.
  4. Die Reihenfolge ist oberwichtig! Auch wenn’s mühsam ist, die Bilder vom Handy, der Unterwasserkamera, der Spiegelreflex und dem kleinen aber edlen Knipsomaten korrekt zu sortieren, keine Ausreden wie: ‚Oh, da ist jetzt aber ein Bild von 6 Tagen davor dazwischengeflutscht….!‘ gelten, verstanden? Da flutscht nix!
  5. Niemals Essen, Trinken oder Hotelzimmer, nie-nie-nie-niemals! Auch keine Personen die essen, trinken oder im Hotelzimmer sitzen. Weg, weg, weg damit!!
  6. Keine  ‚Da sind wir in den Zug eingestiegen.‘ oder ‚Hier sind wir von Board gegangen.‘ Bilder. Das interessiert keinen! NIE-MAN-DEN! Jeder kennt Züge und weiß, wie Schiffe oder Flugzeuge aussehen. Dies gilt übrigens auch für Flughäfen, Bahnhöfe und für die meisten Seehäfen.
  7. Fotos die so kommentiert werden: ‚Das war unsere Wirtin.‘, oder so: ‚Hier habe ich meine Geldtasche liegen lassen.‘ haben in einer Auswahl nichts verloren.
  8. Wälder, Wellen und Wolken sehen auf Fotos immer gleich aus. Merk dir das, MER-KEN!
  9. Felsen, Fassaden und Felder übrigens auch.
  10. Und Kunstwerke, bitte, bitte keine Kunstwerke, keinesfalls Kunstwerke in den Vortrag rein, klar? Kunstwerke kann man sich in 1000fach besserer Qualität im Internet und in millionenfach besserer in Natura anschauen.
  11. Sehenswürdigkeiten, wenn überhaupt, nur mit Personen d’rauf, die ordentlich Schabernack machen, in die Auswahl geben. Auch wenn es unendlich abgedroschen ist, aber ein Schiefer Turm, der in Pisa gestützt oder umgedrückt wird, eine Freiheitsstatue, deren Fackel zum Zigaretten anzünden Verwendung findet, oder ein Eifelturm, der deinen Arsch durchbohrt, sind immer wieder wahnwitzig witzig. Schon alleine deshalb, weil es gar nicht so einfach ist, sowas ohne Software zusammenzubringen. Also rein damit!
  12. Zum Schluss das Wichtigste (und das ist jetzt wirklich extrem unendlich wichtig!!!!!): Niemals, nie-nie-nie-niemals darf die Gesamtanzahl der Bilder höher als 250 sein. Völlig wurscht, wie lange der Urlaub auch immer gedauert haben mag, auch wenn ihr 9 Jahre auf Weltreise gewesen seid oder in fremden Galaxien ferne Zivilisationen besucht habt. Die Zahl 250 ist eine heilige Zahl, wenn es um Bildervorträge geht, eine heilige Zahl, heilig ist die! Ohne Scheiß.

Und wenn es schöne, besondere und liebevoll fotografierte, stimmungsvolle Bilder sind, werden die auch gerne mal länger betrachtet und genossen. Also nicht automatisch weiterschalten lassen sondern in diesem Falle gilt jedenfalls: IBM*

(*Immer Besser Manuell)

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