Donnerwetter nochmal!

Der Sommer ist vorbei. Das ist schade, denn der Sommer ist meine Jahreszeit. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der Sommer meine allerliebste Jahreszeit ist. Mit Abstand. Leider hatten wir in den vergangenen Jahren nie Sommer. Schon viel eher waren dies nasskalte Herblinge. Dieses Jahr kam er wieder einmal zu uns, der Sommer, und gereichte uns zur Freude. Wettertechnisch. Die sonstigen Nachrichten dieses Sommers waren leider alles andere als toll, aber das Wetter, also das Wetter war Schmäh ohne tadellos. Ich traue mich sogar das Wort ‚perfekt‘ zu gebrauchen, ein Wort, zu dem ich mich bekanntlich nur äußerst selten hinreißen lasse. Ja, ich sage es gerade und lauthals heraus: Das Wetter dieses Sommers war perfekt! Bei uns, jedenfalls. Hier. Daher sei es mir ein Vergnügen, ein wahres, und überreiche hiermit dem Sommer 2015 und dessen Wetter ganz offiziell und feierlich den

Netter Ned

netter ned
für den Sommer 2015,
der wirklich einer war. 

Was soll das?

⇒ Traiskirchen

Die Regierung ist schuld. Die Politik ist schuld. Die Länder sind schuld. Die Gemeinden sind schuld. Die EU ist schuld. Die Behörden sind schuld. Das Wetter ist schuld. Die Schlepper sind schuld. Das Schicksal ist schuld. Die Griechen sind schuld. Die Hilfsorganisationen sind schuld. Die Wirtschaft ist schuld. Die Medien sind schuld. Der IS ist schuld. Die Flüchtlinge sind ganz selber schuld.

Nein, liebe Freunde. Wir sind schuld. Jeder einzelne von uns. Wir schauen tatenlos zu – schlimmer noch – wir schauen kollektiv weg, wie mitten unter uns Menschen in menschenverachtender Weise in einem Konzentrationslager ihr Dasein fristen müssen. Menschen, die Hilfe brachen. Menschen, die traumatisiert sind. Menschen. Bei uns, hier in Europa, müssen Mitarbeiter von ‚Ärzte ohne Grenzen‘ in einem Flüchtlingslager nach dem Rechten sehen. Was soll das? In einem Land voller Krankenhäuser und Mediziner – innerhalb unserer Landesgrenzen – muss eine NGO, deren Mitarbeiterinnen in ungleich ärmeren Regionen der Welt gebraucht werden, verhindern, dass hilflose Menschen unversorgt verrecken? Hey!!? Das ist nicht in Worte zu fassen. Das ist unser unwürdig.
Was wirst du deinen Enkeln erzählen, wenn sie dich fragen werden, warum du nichts getan hast?

notorischer noergla
Beschämt und in tiefer Traurigkeit
verleihe ich hiermit den Notorischen Noergla
an uns alle, an jeden und jede von uns.

und am 7. Tage doch

Misshandlung von Menschen ist furchtbar. Jene von Kindern auch. Die Gesellschaft meint, dies sei sogar noch furchtbarer. Heute hat ein ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages in einem Gerichtssaal mehr oder weniger freiwillig zugeben lassen, hoch verwerfliches, einschlägiges Material im Internet angesehen zu haben. Dies tat er mit Hilfe seines Dienstlaptops im Netzwerk des Bundestages. Und warum hat er das zugeben lassen müssen? Weil die Internetprotokolle im Netzwerk des Bundestages 3 Monate archiviert wurden. Für diese Protokolle interessiert sich im Normalfall kein Mensch und sie werden nach dieser Zeit einfach gelöscht. Die Auswertung dieser Protokolle hat gerade noch so zur Überführung beigetragen können, gerade noch so, weil es so lange gedauert hat, bis sie für die Staatsanwaltschaft freigegeben wurden. Auf Grund dieser Geschichte hat der Ältestenrat des Bundestages beschlossen, die Zeit der Archivierung auf sieben Tage verkürzen zu lassen, sodass es nie mehr möglich sein wird, eine oder einen Abgeordnete(n) damit überführen zu können. Dies kann man nun aus datenschutztechnischen Gesichtspunkten bewerten, wie man will, und dennoch, oder gerade deswegen bleibt für mich ein mehr als fader Nachgeschmack zurück, so fad, dass dies jedenfalls zur Verleihung des zweiten notorischen noergla reicht, mehr als reicht. Na gut, bringen wir es hinter uns und verleihen hiermit den zweiten

notorischen noergla 

notorischer noergla

dem Ältestenrat des Deutschen Bundestages
der damit das Volk zer und nicht vertritt
na gratuliere!

central

Ein Wiener Kaffeehaus ist etwas Wunderbares. In einem Wiener Kaffeehaus bestellt man sich eine Tasse Kaffee. Natürlich. Natürlich nicht um diese zu trinken, sondern um stundenlang vor derselben zu sitzen und dabei Zeitung zu lesen. Denn in einem Wiener Kaffeehaus liegen stets Zeitungen aus aller Welt auf. Tagesaktuell. Keine Ahnung, wie das Wiener Kaffeehaus das macht. Ebenfalls unentbehrlich in einem Wiener Kaffeehaus: Ein völlig unfähiger, immerzu enorm grantiger und unmotivierter Kellner, der in erster Linie nicht für den Service, sondern vor allem für’s Herumkommandieren zuständig und einer der Hauptgründe dafür ist, warum man in einem Wiener Kaffeehaus 21 Stunden lang ungestört vor einer halb vollen Tasse kalten Kaffees sitzen und lesen kann. Ein Wiener Kaffeehaus ist immer im Stile eines Wiener Kaffeehauses eingerichtet und man muss – in einem Wiener Kaffeehaus sitzend – immer damit rechnen, dass sich eine berühmte und/oder honore oder sonst eine Persönlichkeit eine bereits gelesene Zeitung borgen will, wobei das Wort borgen generell ein eminent wichtiger Terminus in einem Wiener Kaffeehaus ist. Dort wird alles geborgt. Der Zucker, der Zahnstocher, ein Polster, kurzum alles, was man eigentlich gar nicht mehr wiederhaben will. Nicht leihen, schon gar nicht geben, nur kurz borgen eben. So auch eine bereits ausgelesene Zeitung. Ein Wiener Kaffeehaus steht keinesfalls immer in Wien. Aber in einem Wiener Kaffeehaus wird immer geraucht. Bis zu diesem Aschermittwoch. Am Aschermittwoch 2015 hat das schönste Wiener Kaffeehaus Westösterreichs, das Cafe Central in Innsbruck, das absolute Rauchverbot ausgerufen. Freiwillig. Nicht nur für die Zeit des Fastens sondern für immer. Es ist Zeit, hat das Management des Central gemeint. Grund genug für mich, dem Cafe Central in Innsbruck feierlich, anerkennend und sehr gerne den zweiten Netten Ned zu verleihen – bravo!!

netter ned

Dem Cafe Central in Innsbruck
Besten Dank und bis demnächst

….übrigens, die Fastenzeit hat Jesus von Nazaret, der mutmaßliche Begründer der Christenheit, weder gefordert noch eingeführt. Ganz im Gegenteil, das Christentum punktete Jahrhunderte lang damit, dass es eben weder Essens- noch Trinkens- und schon gar keine Fastenvorschriften kannte. Erst im frühen Mittelalter führten die Europäischen Katholen den Quatsch mit dem Fasten ein, weil sie gegenüber den Konkurrenzreligionen nicht abstinken und auch nicht länger auf einen praktischen Grund zur Bestrafung ihrer Gläubigen verzichten wollte. Das nur am Rande und zum Trost all derer, die auch dieses Jahr wieder an der Umsetzung der eigenen Vorsätze zu Recht scheitern werden. Prost!

notorischer noergla

Ein gewisser Ex-Innenminister und Ex-EU-Abgeordneter einer ebenso gewissen Republik – und ich vermeide es absichtlich und aus Überzeugung, das Word ‚Bananen‘ vor die Bezeichnung dieser Staatsform zu setzen – wurde letztinstanzlich rechtskräftig zu drei Jahren unbedingter Haft wegen Bestechlichkeit und Amtsmissbrauch verurteilt. Nun, nur ACHT Wochen nach Haftantritt wurde er bereits Freigänger. Und nicht nur das! Abgesehen von der atemberaubend kurzen Haftzeit, die offensichtlich schon jetzt zu diesem Privileg berechtigt, hat dieser Mann zudem bereits einen Job in einer Wiener Beratungsfirma erhalten. Wenn man bedenkt, wie schwer ein Ex-Knacki ansonsten zu einem Arbeitsplatz kommt, und wie viele Kämpfe und Steine ein ’normaler‘ Häftling überwinden muss, um als Freigänger eingestuft zu werden, ist dies mehr als verwunderlich. Ein Schalk, der Böses denkt!!

Jedenfalls kann mit Fug und Recht festgestellt werden, dass dies nicht nur zu einer schiefen Optik gereicht, sondern für die Justiz dieses Landes höchst peinlich ist, da sie offensichtlich einer Volkspartei, deren Namen ich nicht wirklich in die Tastatur nehmen will, willenlos gehorcht.

Grund genug, der Judikative dieses Staates zum ersten Mal meinen Preis für außerordentlich schlechte und über Gebühr dreiste sowie unmoralische und peinliche Leistungen zu verleihen, der da lautet:

notorischer noergla

notorischer noergla

Wir fremdschämen herzlich und hoffen auf Besserung!

Ganz nebenbei und einfach nur zum D’rüberstreuen sei erwähnt, dass der frisch gebackene Weltfussballer des Jahres – Cristiano Ronaldo – sehr dankbar sein sollte. Konnte er sich doch ebenso sehr berechtigte Hoffnungen machen, als erster Preisträger des notorischen noergla in die Geschichte einzugehen. Seine ‚Dankesrede‘ auf der Bühne der FIFA-Veranstaltung, die aus dem einzigen Wort ‚Siiiiiiiiiiieg‘ bestand, das er wie eine besoffen Seekuh und mit unfassbar schlechtem Akzent dem deutschen Torhüter Manuel Neuer zugrölte, hätte unter normalen Umständen für einen fulminanten Abstand zu allen anderen Aspiranten locker gereicht. Glück gehabt, CR7.

netter ned

gestern.

Gestern war besonders. Wir, Noerglas Ned, sind ohne Jacke und mit gestürmten Ärmeln, wie man bei uns zu sagen pflegt, gemütlich durch die Fußgängerzone geschlendert. Für Datumsfetischisten: Wir schrieben den 10. Januar 2015. Für Geografiefetischisten: Wir befanden uns auf der nördlichen Hemisphäre. Für Astronomiefetischisten: Auch sehr, sehr weit nördlich des berühmten Krebswendekreises. Für Jahreszeitenfetischisten: WINTER. Und schließlich für Celsiusfetischisten: 20,5° (in Worten: zwanzigkommafünf). Und nachgereicht noch für Sprachfetischisten: Ja wir schrieben im Plu­ra­lis Ma­jes­tatis.

Und weil das so toll war. Und weil uns das so gefallen hat. Und weil wir immer noch so begeistert sind. Haben wir einen Preis genau für Menschen, Dinge, Leistungen und Ereignisse dieser Art geschaffen, und dessen Namen ist

netter ned

und wir verleihen hiermit den ersten netten ned dem 10. Januar 2015!

netter ned
TADAAAAAA!!
Wir gratulieren herzlich und hoffen auf Wiederholung!