central

Ein Wiener Kaffeehaus ist etwas Wunderbares. In einem Wiener Kaffeehaus bestellt man sich eine Tasse Kaffee. Natürlich. Natürlich nicht um diese zu trinken, sondern um stundenlang vor derselben zu sitzen und dabei Zeitung zu lesen. Denn in einem Wiener Kaffeehaus liegen stets Zeitungen aus aller Welt auf. Tagesaktuell. Keine Ahnung, wie das Wiener Kaffeehaus das macht. Ebenfalls unentbehrlich in einem Wiener Kaffeehaus: Ein völlig unfähiger, immerzu enorm grantiger und unmotivierter Kellner, der in erster Linie nicht für den Service, sondern vor allem für’s Herumkommandieren zuständig und einer der Hauptgründe dafür ist, warum man in einem Wiener Kaffeehaus 21 Stunden lang ungestört vor einer halb vollen Tasse kalten Kaffees sitzen und lesen kann. Ein Wiener Kaffeehaus ist immer im Stile eines Wiener Kaffeehauses eingerichtet und man muss – in einem Wiener Kaffeehaus sitzend – immer damit rechnen, dass sich eine berühmte und/oder honore oder sonst eine Persönlichkeit eine bereits gelesene Zeitung borgen will, wobei das Wort borgen generell ein eminent wichtiger Terminus in einem Wiener Kaffeehaus ist. Dort wird alles geborgt. Der Zucker, der Zahnstocher, ein Polster, kurzum alles, was man eigentlich gar nicht mehr wiederhaben will. Nicht leihen, schon gar nicht geben, nur kurz borgen eben. So auch eine bereits ausgelesene Zeitung. Ein Wiener Kaffeehaus steht keinesfalls immer in Wien. Aber in einem Wiener Kaffeehaus wird immer geraucht. Bis zu diesem Aschermittwoch. Am Aschermittwoch 2015 hat das schönste Wiener Kaffeehaus Westösterreichs, das Cafe Central in Innsbruck, das absolute Rauchverbot ausgerufen. Freiwillig. Nicht nur für die Zeit des Fastens sondern für immer. Es ist Zeit, hat das Management des Central gemeint. Grund genug für mich, dem Cafe Central in Innsbruck feierlich, anerkennend und sehr gerne den zweiten Netten Ned zu verleihen – bravo!!

netter ned

Dem Cafe Central in Innsbruck
Besten Dank und bis demnächst

….übrigens, die Fastenzeit hat Jesus von Nazaret, der mutmaßliche Begründer der Christenheit, weder gefordert noch eingeführt. Ganz im Gegenteil, das Christentum punktete Jahrhunderte lang damit, dass es eben weder Essens- noch Trinkens- und schon gar keine Fastenvorschriften kannte. Erst im frühen Mittelalter führten die Europäischen Katholen den Quatsch mit dem Fasten ein, weil sie gegenüber den Konkurrenzreligionen nicht abstinken und auch nicht länger auf einen praktischen Grund zur Bestrafung ihrer Gläubigen verzichten wollte. Das nur am Rande und zum Trost all derer, die auch dieses Jahr wieder an der Umsetzung der eigenen Vorsätze zu Recht scheitern werden. Prost!

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