er läuft und läuft und läuft

Marathonlauf früher: Ein Mann rennt alleine und spontan eine Strecke irrelevanter Länge, überbringt nach Erreichung des Ziels eine wichtige Nachricht und bricht dann tot zusammen. Bedeutung: Läufer, Strecke und Zeit sind völlig unwichtig. Im Mittelpunkt des Interesses steht die kollektive Botschaft: WIR haben gesiegt!

Marathonlauf heute: Tausende Menschen rennen nach monatelanger Vorbereitung genau 42,195 km, und das noch meist von A nach A (???). Vorher erzählen sie allen, dass sie laufen werden, nachher berichten sie minutiös über jeden zurückgelegten Meter und prahlen mit der erhechelten Zeit. Bedeutung: Es gibt weder Sinn noch Botschaft, höchstens – wenn überhaupt – die Aussage: ICH bin gelaufen! (Wenigstens einer kann immerhin berichten: ICH habe gesiegt!)

FAZIT: Der Marathonlauf hat sich von einem bedeutenden, epochalen und einzigartigen Ereignis mit weitreichenden Folgen zu einem seelenlosen wie irrelevanten Fließbandmassenevent für überehrgeizige Individualisten entwickelt. Das prangere ich an und fordere eine Rückbesinnung! Ich schlage vor, dass jeder Marathonläufer einen 100-seitigen Text auswendig lernen muss, den er nach Vollendung der Laufstrecke fehlerfrei zu rezitieren hat. Sieger ist jener Teilnehmer, der Lauf und Vortrag am schnellsten und am beeindruckendsten beendet. Aus marketing-technischen wie ethischen Gründen ist es nicht zwingend notwendig, tot zusammenzubrechen.

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