Fried?fertig!

Angenommen, irgendwo da draußen lebte ein Mensch, der hoch motiviert wäre, einen überwältigen Roman zu schreiben. Einen Roman, der unübertroffen genial und in höchstem Maße visionär sein sollte. Er widmete sein ganzes Leben diesem Vorhaben. Er wäre davon besessen. Er ordnete dem Schreiben alles andere unter und verfolgte seine Passion mit höchster Intensität und ganzem Herzen. Doch leider schaffte er es nicht. Und obwohl er nie aufgäbe, wäre es ihm nicht vergönnt, ein Meisterwerk der Literatur zu erschaffen. Er scheiterte. Was würde passieren? Wahrscheinlich nichts. Niemand nähme Notiz. Niemand bemerkte es.

Was wäre, wenn ein Physiker, ein durch und durch begnadeter Wissenschaftler sein ganzes Leben der Forschung widmete. Er forschte und forschte und forschte. Er veröffentlichte fleißig seine Erkenntnisse in sämtlichen renommierten Journalen dieser Welt, dennoch schaffte er es nie, einen wahrhaft revolutionären Durchbruch in seinem physikalischen Teilgebiet zu erzielen. Wie reagierte die Weltöffentlichkeit? Die Gesellschaft? Wahrscheinlich gar nicht.

Das gleiche Schicksal teilten wohl erfolglose Chemiker oder Forscher in der Medizin, denen es trotz höchstem Einsatz nicht gelingt, bahnbrechende Erkenntnisse zu gewinnen.

Anders ist dies, wenn es um Frieden geht, wenn es um den Frieden der Menschheit geht. Um unseren Frieden. Offenbar reicht es dem Frieden, wenn man sich um ihn bemüht. Da genügt es schon, keinen aggressiven Angriffskrieg vom Zaun zu brechen, denn dafür bekam Barack Obama vor wenigen Jahren den Preis. Der Nobelpreis für Frieden ging damals an den Oberbefehlshaber der größten und aktivsten Kriegsmaschinerie der Welt. Oder Jassir Arafat. Dem Mann mit dem Tischtuch auf dem Kopf wurde der Preis für einen symbolischen Handschlag mit einem Israelischen Präsidenten verliehen. Für einen müden Händedruck!! Von den Vereinten Nationen ganz zu schweigen. Wofür die den Preis erhalten haben, wissen wahrscheinlich nicht einmal die Mitglieder des Komitees selbst.

Ist das nicht traurig? Nein, es ist unendlich mehr als das. Es ist eine offenkundige Bankrotterklärung der Menschheit. Ein Eingeständnis, dass wir nicht in der Lage sind, in Frieden miteinander zu leben. So genügen bereits ein halbherziger Versuch, eine Absichtserklärung oder eine Geste, um die höchste Auszeichnung für Verdienste um den Frieden verliehen zu bekommen.

Und jetzt: Juan Manuel Santos, auch ein Gescheiterter.

Da gibt es einen Preis für etwas, das für eine hoch zivilisierte Spezies, die selbsternannte Spitze der Evolution, eigentlich selbstverständlich sein sollte, und wir schaffen es nicht einmal, alle 12 Monate einen einzigen würdigen Preisträger zu finden. Schlimmer geht’s nimmer.

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