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Ein kleiner unscheinbarer Angestellter einer Hamburger Universität – mit dem Charisma einer übriggebliebene Schneestange – machte vor ein paar Jahren Urlaub in Österreich. Er war mit sich und der Welt unzufrieden, allerdings wußte er nicht, wie er für seinen inneren Frust, der mit der damit typisch fahlen Ohnmacht einherging, ein adäquates Ventil finden konnte. So kam es, dass er offenbar in seinem Urlaubsdomizil auf HC aufmerksam wurde. Da lernte er, wie man mit dummen Angstparolen in Kombination mit primitiven Lösungsmustern, unverblümtem Antisemitismus sowie genereller Europafeindlichkeit gepaart mit verharmlosendem Solonfähigmachen blanken Ausländerhasses politisches Kleingeld am äußerst rechten Rand erzkonservativer Volksparteien verdienen kann. Daheim angekommen, setzte er das Gelernte in die Tat um und gründete eine politische Partei mit zweifelhaften Zielen, ganz einfach deshalb, weil er erkannt hatte, dass der Zeitgeist dies wieder tolerierte. Programm und Ideologie waren klar. Die Zielgruppe auch. Jetzt fehlte nur noch ein arschgeiler Name. FPÖ ging ja wohl schlecht. FDP war irgendwie schon vergeben, wenn auch nur noch unter- und hintergründig, aber eben doch. Vor allem klebte und klebt in Deutschland an dem Namen in Tagen wie diesen nicht gerade eine Erfolgsplakette. Nein, so schlau war er schon, dass er etwas eher neutraleres brauchte und entschied sich für die Buchstabenkombination AfD. Wie die meisten anderen habe auch ich zuerst gedacht, es sei eine Abkürzung für Antisemiten furzen Dünnschiss, das stimmt aber nicht. Es bedeutet Alternative für Deutschland. Und da muss man wirklich neidlos anerkennen, dass dieser Name schlicht genial ist. Ein marketingtechnischer Weitwurf sondergleichen! Ist das Wort Alternative in unseren Köpfen doch stets positiv besetzt. Alternative klingt irgendwie immer nach etwas Besserem als das Bestehende. Es riecht nach vorwärts und neuer, nach durchdachter und überlegter. Der Duden schreibt folgendes: ‚Wahl zwischen zwei Möglichkeiten; Darstellung einer anderen, zweiten Möglichkeit.‘ Ganz neutral, oder? Da steht nichts von besserer oder vielversprechenderer Möglichkeit, nein, das steht da nicht. Es bedeutet schlicht und einfach zweite bzw. andere Möglichkeit. Anders heißt ja nicht zwangsläufig besser. Anders heißt nur nicht gleich. Anders kann also durchaus auch beschissener sein. Beschissener für Minderheiten zum Beispiel. Kurz gesagt, die AfD verspricht genau nichts, lässt sich nicht festnageln und kommt trotzdem zumindest dem Namen nach positiv rüber. Das ändert sich allerdings schlagartig, sobald ein Mitglied der AfD den Mund aufmacht. Trotzdem. So hat sich nun – dreißig Jahre nach Jörg Haider – der politisch äußerst rechte Bodensatz diverser Volksparteien auch in Deutschland gesellschaftlich etabliert.

Traurig.

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