Gassenhauer

Die Riedgasse ist recht unscheinbar. Sie ist ca. 400 Meter lang und so schmal, dass es nur zu einer Einbahnstraße gereicht hat. Eigentlich ist die Riedgasse nicht besonders besonders, aber sie hat eine Qualität, die sie von allen anderen Gassen dieser Welt unterscheidet. Sie ist die einzige Abfahrt der Stadtteile Hötting und Hungerburg in Richtung Osten. Die aller einzigste. Durch die Riedgasse kann man sehr elegant zu den Stoßzeiten dem gesamten innerstädtischen Verkehr entgehen und schnell wie zielsicher die Stadt gen Osten verlassen. Aus diesem Grund mag ich sie, die Riedgasse. Daher ist sie so wichtig. Gäbe es die Riedgasse nicht, verlängerte sich die Wegzeit zwischen 7:30 und 8:30 für eine Streckenlänge von 400 Metern um mindestens eine halbe Stunde. Das entspricht 13,33m Riedgasse pro Minute.

Nun, auch eine Gasse kommt in die Jahre, so wurde es notwendig, sämtliche Leitungen für die angrenzenden Häuser zu erneuern. Kanal, Wasser, Gas. So weit so gut. Es sind also auf einer Länge von 400 Metern für ca. 50 Häuser Zu- und Abwasser sowie die Gasleitung zu ersetzen. Und das auf einer kleinen Straße, die ungefähr 20.000 Menschen als einziger verkehrstechnischer Abfluss Richtung Osten dient. Logisch, dass die Bauarbeiten so rasch wie möglich von statten gehen müssen, denn es verlängert sich nicht nur der Weg der Anwohner eminent, sondern die Innenstadt wird zudem über Gebühr zusätzlich belastet. Ist ja klar.

Wie lange kann es wohl dauern, einen 400 Meter langen Graben zu öffnen, die 3 Leitungen auszutauschen und die Anschlüsse zu den Häusern zu erneuern? 4 Wochen? Fünf? Oder gar sechse?!? Na gut, seien wir mal nicht ungerecht, das soll ja auch richtig und ordentlich gemacht werden, damit wieder 50 Jahre Ruhe ist. Lassen wir vier Monate zu, das ist ein Monat pro 100 Meter. Mit den heutigen Maschinen und moderner Technik kann man jedenfalls in vier Monaten alles picobello erledigen. Wir reservieren also die Sommermonate, da ist ohnehin weniger los, und bringen das Ganze über die Bühne. Fertig.

Was macht die Kommunalregierung? Sie sperrt die Riedgasse, meine Riedgasse, unser aller Riedgasse für – und jetzt bitte festhalten – drei Jahre. Drei Jahre!! DREI!! In drei Jahren habe ich den ganzen Scheiß alleine mit der Hand gemacht!! In drei Jahren haben die Türken eine über 2 km lange und über 300 Meter hohe Hängebrücke über den Bosporus gebaut! Die Malaien haben in etwa derselben Zeit die 450 Meter hohen Petronas Twin Towers in Kuala Lumpur fertiggestellt. Drei Jahre für den Austausch von ein paar Leitungen? Das, liebe Freunde, ist eine Verarsche!

Da sieht man wieder was passiert, wenn ein paar Beamte, denen bis auf die eigene Mittagspause alles egal ist, die Koordination, die Planung und die Vergabe eines Bauprojektes managen. Danke euch! Ich hoffe, dass euch die gesperrte Riedgasse beim Zeitunglesen und Kaffee saufen nicht zu sehr gestört hat. Das wäre mir unangenehm gewesen.

Jetzt ist sie wieder offen. Endlich. Ein Hoch auf die nächsten 50 Jahre!

Ich übertreibe? Echt? Naja, in Bregenz wurde dieselbe Übung mit der Kirchstraße in knapp drei Monaten bewältigt. Nur so zum Vergleich.

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