Höhlentempo

So eine Höhle ist was ganz, ganz Großartiges. Ein Höhle ist trocken. Eine Höhle bietet Schutz. In einer Höhle ist es kuschelig und warm. Genau darum haben wir Menschen jahrtausendelang in Höhlen gewohnt. Vor allem die Frauen. Die Frauen mussten zuhause in den Höhlen nach dem Rechten sehen und das Rad (obwohl dieses eigentlich noch gar nicht erfunden war) am Laufen halten, während ihre männlichen Stammesgenossen den Mammuts hinterherrannten, oder vor diesen davon, je nachdem.

Wenn also so eine Höhlenfrau ihr Domizil verlassen wollte, ging sie ganz langsam und sehr vorsichtig zum Ausgang, steckte ihren Kopf weit nach vorne und guckte in alle Richtungen. Wenn sie etwas erblickte, zum Beispiel ein Wesen, das sich ihr zu nähern im Begriff war, glotzte sie es so lange an, bis sie genau erkennen konnte, ob dieses gefährlich war, oder nicht. Vielleicht entfernte sie sich dabei sogar ein paar Schritte vom Höhleneingang, um alles noch besser sehen zu können. Entpuppte sich das herannahende Subjekt als gefährlich, huschte die Höhlenfrau sofort wieder zurück ins sichere Dunkel.  War hingegen die Situation ganz harmlos, verließ Frau Feuerstein nach einem letzten alles überprüfenden Blick, ruhig und gelassen das schützende Nest und ging ins Freie, vorausgesetzt das herankommende Wesen war schon so nahe, dass eine Verwechslung ausgeschlossen war.

Steinzeitbewohnerinnen, die dieses Spiel perfektioniert haben, waren evolutionsgemäß im Vorteil und haben überlebt. Der Rest wurde zu Tierfutter verarbeitet oder verschleppt und getötet. Leider fällt uns allen heute diese – dereinst so erfolgreiche – Überlebensstrategie auf den Kopf. Denn aus den Säbelzahntigern wurden Automobile, aus den Höhlen Gehsteige. Also liebe Mädels, es ist einfach nicht besonders schlau, zuerst mal auf die Strasse zu laufen, um dann – bereits auf dem Mittelstreifen stehend – plötzlich wieder umzukehren, weil sich die Situation plötzlich als brenzlig herausgestellt hat. Genauso dämlich ist es, ruhig verharrend das herannahende Fahrzeug ewig lange anzustarren, um dann jäh den entscheidenden Fehltritt auf die Straße zu machen, weil es sich es sich ja nur um ein Auto handelt. Das ist scheiße gefährlich und extrem deppert, liebe Mädels. Macht das bitte nicht mehr! Ein auto ist kein Grizzle, ein Gehsteig keine Höhle!

Das Überqueren einer Strasse ist im Prinzip nicht schwer: Man geht los, solange das herannahende Fahrzeug weit genug weg ist, und geht den Weg unbedingt bis zur anderen Seite weiter, auch wenn das Auto so unverschämt ist und ein wenig näher kommt, alles klar? Das Überdiestrasselatschen ist eines der ganz wenigen Dinge, die ihr von uns Männern noch lernen könnt, schließlich sind wir jahrtausendelang hinter Mammuts hergerannt, oder vor diesen davon, je nachdem.

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