ISO BLO815-GSE

Es ist nicht so, dass ich nichts mehr schreibe. Das Gegenteil ist wahr. Die Empörung ist also ungerechtfertigt, und demzufolge müssen alle Vorwürfe diesbezüglich schärfsten zurückgewiesen werden. Ich schreibe und schreibe, mehr denn je. Eigentlich ständig. Nur, die Sache ist die. Fast kein Text schafft es jetzt noch auf die blogse. Ursache dessen ist die vor drei Wochen eingeführte ISO-Zertifizierung BLO815-GSE, die zur Verbesserung der Textgüte, zur Prozessoptimierung und natürlich zur Qualitätssicherung beitragen soll. Ich verspreche mir von jener ein dauerhaftes und nachhaltiges Bestehen der blogse in der hart umkämpften, sich ständig wandelnden, sich pausenlos weiter entwickelnden Welt der digitalen Scheinrealitäten. Zentrale Punkte dabei sind die lückenlose Dokumentation der gesamten Prozesskette, die strikte Einhaltung aller festgesetzten Standardisierungskriterien und – ganz wichtig – die Umsetzung des extra für diese blogse entwickelten individuellen matrixorganisierten Mehrvektorenprinzips in multiplexer, causalstringenter Schichtaufbauverfahrensweise. Zugegeben, der notwendige Aufwand, der von der Grundidee bis zur schlussendlichen Veröffentlichung eines Beitrags entsteht, schraubt sich zwar in schwindelerregende Höhen und ist mit natürlichen Zahlen kaum mehr zu beziffern, schafft es ein Beitrag allerdings tatsächlich wider Erwarten bis in die blogse, kann bei Missfallen, Scheitern oder Fehlformulierung der gesamte Entstehungsprozess minuziös rückverfolgt werden, sodass die schuldbeladenen Verantwortlichen punktgenau identifiziert und öffentlich an den Pranger gestellt werden können. Alle übrigen hingegen, die brav, pünktlich und genau die sehr strengen Richtlinien der Zertifizierungsvorgaben befolgt haben, können sich ruhigen Gewissens genüsslich schnurrend zurücklehnen und der Hinrichtung Bier schlürfend und Cracker knabbernd beiwohnen. Natürlich wird der singuläre Beitrag dadurch nicht unbedingt besser oder gar witziger, auch nicht informativer oder interessanter und gelernt wird aus den gemachten Fehlern schon gar nichts, höchstens dass der Gestaltungsprozess zukünftig noch aufgeblähter und noch umständlicher durchlaufen werden muss, aber zumindest weiß man dann ganz genau, wer warum unbeschadet aus dem ganzen Schlamassel herauskommt. Nicht die Güte des Ergebnisses selbst steht im Vordergrund, sondern jene des Entstehungsprozesses. Es geht also nicht darum, ob beispielsweise eine Kürbiscremsuppe voll super schmeckt und aus besten Zutaten besteht, sondern im Fokus ist primär, ob der Produktionsprozess perfekt durchgestylt und dokumentiert wurde. Gegessen wird sie dann ohnehin nicht mehr, weil auf Grund des horrenden und Nerven zermürbenden Aufwandes keine Sau mehr Hunger hat. ‚Nacht.

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