Ja sind denn die bekloppt?

Im Juli 2008 begann Jürgen Klopp seine Arbeit bei Borussia Dortmund. Die Symbiose zwischen den Schwarz-Gelben und Kloppi war in den Jahren darauf so eng ineinander verzahnt, dass man sich nicht vorstellen konnte, jemals eine Trennung der beiden miterleben zu müssen. Und sie waren erfolgreich. Sehr erfolgreich sogar, doch in der aller ersten Saison, die nicht wunschgemäß verlaufen war, machte der bis dahin omnipräsente Klopp sofort ’ne Fliege. Bis zu diesem Zeitpunkt, an dem der Jürgi panisch die Reißleine gezogen hat, um seine eigene Marke nicht noch mehr zu beschädigen, inszenierte er sich theatralisch als unumstrittener Mittelpunkt der deutschen Bundesliga. Er schrie, er hüpfte, er ruderte, er gestikulierte, schnitt die wildesten Grimassen, diskutierte, polarisierte, rannte die Seitenlinie rauf, sprintete die Seitenlinie runter, legte sich mit Reportern, Schiedsrichtern, Offiziellen, Funktionären, mit der ganzen Welt an. Umarmte, tätschelte, klopfte und verdiente sich ein Zubrot als Werbeträger diverser deutscher Markenprodukte. Die Laientheatertruppe der Bayern aus München kamen gegen ihn wie ein paar fußballspielende Autisten rüber. Er gab mehr Interviews als der gesamtdeutsche Rest, egal ob Fußballer oder nicht. Er meldete sich öfter zu Wort als Merkel und Schäuble zusammen, und das trotz Griechenlandkrise! Klopp war immer und überall. Klopp war Bundesliga.

Und dann der Rücktritt. Die Welt stand still. Erwachsene, gestandene Männer weinten bitterlichste Tränen. Niemand wußte, ob der Fußball dies überleben würde. Ob es Deutschland noch geben wird. Ob es danach überhaupt noch irgendetwas auf diesem Erdenrund geben wird. Vor allem aber fragten sich alle: Was wird aus Borussia Dortmund? Wird die Borussia implodieren? Sich in Nichts auflösen?

Seit Saisonbeginn ist Thomas Tuchel der letztverantwortliche Übungsleiter bei den Wespenfarbenen in Dortmund. Er ist sachlich, ruhig, besonnen. Interviews? Seiner Position entsprechend normal. Und ja! Es gibt den Fußball noch und es gibt auch noch die Bundesliga. Wider Erwarten. Unter Tuchels Federführung wurden bisher alle Pflichtspiele gewonnen. Die Euroleague-Quali geschafft. Erster der Tabelle in der Bundesliga, noch vor den allmächtigen Bayern. Na also, geht doch! Das Gesudere, Gerudere und Gespudere ist gar nicht nötig. Schön. Gefällt mir. Weiter so!

Keine Angst, liebe Klopper, der kommt schon wieder! Früher als uns lieb ist.

Schreibe einen Kommentar

*

WP Facebook Auto Publish Powered By : XYZScripts.com