Jochentag

Angenommen dein Name wäre Jochen. Er könnte auch Roswitha, Shiva, Özkök oder Amsel sein, aber Jochen finde ich irgendwie passender. Also, Jochen, du hast studiert, sagen wir Mechatronik, und du arbeitest seit sieben Jahren bei einer in Österreich ansässigen Firma. Dein Arbeitgeber hat dir folglich fünf Jahre für deinen Urlaubsstichtag angerechnet und du hast somit von Gesetzes wegen her Anspruch auf 25 Arbeitstage Urlaub pro Jahr. Du bist Techniker durch und durch, deine Eltern haben dich mit unsäglich langweiligen Kirchenbesuchen genervt, ferner findest du den Umgang der Würdenträger mit diversen Skandalen unerträglich und bist daher aus der Kirche ausgetreten. So weit so gut.

Nun gab es unlängst ein letztinstanzliches Urteil des EuGH, das sinngemäß besagt, dass am Karfreitag in Österreich entweder alle frei, sprich einen Feiertag haben sollen, oder eben niemand. Geleichberechtigung oder – umgekehrt – keine Diskriminierung nennt man das dann. Nun stand die sogenannte Regierung vor der offenbar unfassbar schwierigen Aufgabe, eine für alle geltende Regelung den Karfreitag betreffend zu finden. Und zwar bis zum Karfreitag. Klingt logisch. Genauso logisch wäre es gewesen, den Karfreitag entweder zum Feiertag zu erklären, oder eben nicht. Logisch für eine fernunftbasierende Regierungsmannschaft. Haben wir aber nicht. Was heißt das nun für Jochen?

Der Karfreitag ist für niemanden mehr in Österreich ein Feiertag. Bis hierher vernünftig, aber jetzt geht’s los. Jochen muss nun mindestens drei Monate vorher einen persönlichen Feiertag anstatt des Karfreitags benennen. Seinen persönlichen Feiertag, einen Jochentag sozusagen. Der Jochen geht also irgendwann im Februar zu seinem Chef und sagt diesem, dass sein Jochentag in diesem Jahr der 12. Juni sei. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Jochen an dem Tag zudem noch einen seiner Urlaubstage konsumieren wird. Jochen muss also an seinem Jochentag Urlaub nehmen. Sodala. So unlogisch so blöd. Jetzt kommen und gehen die Tage und irgendwann ist er da, der 12. Juni, der Jochentag. Im Prinzip ist es ein hundsnormaler Urlaubstag, es sei denn, ja es sei denn, der Chef ruft an. Also ein Anruf alleine nützt natürlich nichts, aber wenn der Chef im Zuge dieses Telefonats dann zum Jochen sagt: „Du, Jochen, du, du musst kommen, in die Firma. Ich brauche dich! Ich brauche dich heute, am Jochentag in der Firma.“

Wenn dann der Jochen auch noch in die Firma geht, am Jochentag, ja dann muss der Chef dem Jochen die dem Kollektivvertrag des Jochen entsprechenden Feiertagsentgelte bezahlen, aber nur dann, sonst nicht. Sonst ist der Jochen Jochentags im Urlaub.

So ist sie, unsere Regierung. Dumm, dümmer, türkis-blau. Ich weiß ja nicht, was das Mischen von türkis-blau laut Farbenlehre ergibt, in der Politik jedenfalls wird daraus braun. Dummes braun. Es erübrigt sich zu sagen, wie realistisch es in diesem Falle wohl sein wird, dass der Jochen im Falle eines arbeitsreichen Jochentags, diesen nicht stornieren wird müssen.

Das ist Jochen.
Jochen hat einen Jochentag definiert.
Jochen ist smart.
Sei wie Jochen.

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