Lenin wellcome

Jüngst wurde der riesenhafte Kopf einer Leninstatue, die in den frühen Neunzigerjahren im Wald nahe Berlin vergraben worden war, ausgebuddelt und in die Zitadelle Berlin-Spandau gebracht. Dort soll zukünftig ein Museum für Statuen entstehen, dessen Prunkstück der Grind des Russen werden solle. So weit so gut. Der Schädel befand sich vier Meter tief unter der Erdoberfläche und musste komplett freigelegt werden, damit dieses Viertonnentrum überhaupt kranlings gepackt werden konnte. Auch gut.

Da waren jetzt aber Eidechsen. Eidechsen lebten in dem Wald! Und diese besagten Tierchen wohnten ausgerechnet genau an der Stelle, an der jenes gewaltige Loch gegraben werden musste. Die Rede ist von einem Loch, dessen Bestimmung es war, das Mitnehmen des Leninschädels zu ermöglichen. So. Diese Eidechsen mussten nun dem Loch weichen, sprich, sie mussten umgesiedelt werden. Klingt brutal, ist es aber gar nicht so sehr, denn erstens handelte es sich um konkret sechs reptiloide Individuen und zweitens wurde zur Bewältigung dieser heiklen Aufgabe extra ein hoch qualifizierter und staatlich beeideter Eidechsenumsiedlungsexperte beauftragt.  Eine Person also , die sechs kleine Eidechsen mit einem Netzchen einfängt (fachmännisch und eidechsengerecht, versteht sich), sie in ein Eimerchen bugsiert, damit einen viertel Kilometer spazieren geht, um sie dort behutsam und vorsichtig in die Natur zu entlassen. Schön. Schön und gut, würde ich sagen. Aber! Was mir dabei irgendwie sauer aufstößt ist die Tatsache, dass diese Umsiedelungsaktion Medienberichten zufolge sage und schreibe 12.000.- € gekostet haben soll. Pro Eidechse also 2.000.- €, was einem Eidechsenfortbewegungsmeterpreis von unfassbaren 8.- Euros entspricht.

Eidechsen bevölkern die Erde seit circa 200 Millionen Jahren. Zu der Zeit waren unsere Vorfahren primitive, säugetierähnliche Nager, die vornehmlich in Erdlöchern hockten und tagsüber damit beschäftigt waren, herabfallender Dinosaurierscheiße auszuweichen. Deren Nachkommen, also wir, trauen heute – hier und jetzt – den Überlebens- und Evolutionsweltmeistern aus der Trias nicht zu, selbständig ein paar Meter von einem schnöden Leninloch entfernt eine neue Bleibe zu finden? Statt dessen zahlen wir einem Tierpfleger ein Heidengeld, eine Summe, die gerade in Zeiten wie diesen unendlich viel sinnvoller verwendet hätte werden können, damit er jene an einen Platz bringt, an den sie mit größter Wahrscheinlichkeit gar nicht hinwollten. Schräg. Wir leben in einer schrägen, mehr als schrägen Welt. Wird langsam Zeit, dass wir sie wieder ein wenig gerade rücken. Höchste Zeit.

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