Lenz

Sofern wir nicht sterben, werden wir älter. Irgendwann sind wir schließlich so alt, dass wir dies auch merken. Allerdings sind es die verschiedensten Dinge, die uns ganz individuell das Altsein spüren lassen. Bei den einen ist es das Gewicht, besser gesagt, das darüber, also jener Teil, der eigentlich zuviel ist. Andere können sich Sachen nicht mehr so gut merken. Dann gibt es jene, die schlechter gehen oder hören können, die die sich beim Bücken schwer tun, oder Orte mit lauter Musik meiden. Andere wiederum kriegen seltsame Wehwehchen und diverse Zipperlein wie Gicht, Arthritis oder den berühmt berüchtigten Bandscheibenvorfall.  Viele werden etwas eigen oder können sich nicht mehr so gut an Veränderungen anpassen. Manche entwickeln diverse Ticks, die sie einfach nicht mehr loswerden und die sich so schön langsam zu einem Zwang entwickeln. Dann gibt es noch jene, die intolerant, ängstlich oder Nazis werden. Andere mögen das Haus nicht mehr so gerne verlassen oder glauben verstärkt immer recht zu haben. Meist sind es Eigenschaften, die in jungen Jahren zwar schon da, aber nicht besonders ausgeprägt sind, die sich aber im Laufe der Jahre und Jahrzehnte ganz unauffällig zuerst an die Oberfläche und dann in den Vordergrund drängen. Einige spüren es auch an der schwindenen Kraft, an der nachlassenden Kondition oder am plötzlich notwendigen Sehbehelf. Zugluft wird just zum Problem oder der Husten, der einfach nicht mehr besser werden will. Seit diesem Frühjahr ist mir klar, was es bei mir ist. Erst jetzt – Mitte Mai (!!) – habe ich mich endlich an sie gewöhnt und kann wieder ganz relaxed und gechillt – im Ruhepuls quasi – durch die Stadt schländern. Bin mal gespannt, ob es nächstes Jahr noch länger dauern wird, bis ich die jäh einsetzende, kurvenreiche Jahreszeit rückstandsfrei mental verdaut haben werde.

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