Mama

Ich war jüngst wieder einmal bei Hennes und Mauritz. Dort verweilte ich in meiner Umkleidekabine wesentlich länger als geplant, und das kam so: In jener nebenan probierte bei offener Türe ein junger, sehr gut aussehender Mann unter den rehbraunen Argusaugen seiner, vor der Kabine stehenden, noch weitaus attraktiveren Freundin potentielle Schnäppchen.

Sie: Boa! Das sieht gut aus, das sieht sogar sehr gut aus!
Sie: Wenn es deiner Mama auch gefällt, behalten wir es!
Sie: Hmm. Eigentlich ist das ein tolles Shirt….. nur ein wenig zu weit….
Sie: Vielleicht wäscht es deine Mama ein paar Mal zu heiß, dann paßt es genau!!

Sie: Lass das! Nicht den Kragen aufstellen. Das mag deine Mama nicht!!
Sie: Ja, so ist’s gut.
Sie: Nein, nein, nein….. nein, nein, nein, nein. Das kaufen wir nicht. Deine Mama sagt, dass dir diese Farbe überhaupt nicht steht. Zieh‘ das wieder aus.
….
Sie: Dreh‘ dich um! … Warum nicht? Waaaaarum NICHT!! Die kann deine Mama ja kürzer machen, dann ist sie perfekt!
(Eigentlich ist meine Anprobe der schwarzen Jeans schon längst beendet, dennoch habe ich mich inzwischen auf den recht unbequemen Hocker in meiner Kabine gekauert, weil ich mich irgendwie einfach nicht losreißen kann.)
Sie: Nein nicht das! Zieh‘ das zuerst an. Das gefällt deiner Mama sicher besser, und wenn das paßt, dann mußt du das andere erst gar nicht mehr probieren!

Sie: Nein…. Nein…..
Sie: Nein, probier doch das andere!

Sie: (Riesenseufzer) Nein, das läßt sie niemals durchgehen. Leg‘ es weg. Nimm‘ das!
….
Sie: Ja, das könnte gehen. Da müßte ich aber wahrscheinlich noch mit ihr reden….
Sie: Weißt du was? Wir nehmen es erst einmal mit, ich rede mit deiner Mama, und vielleicht darfst du es dann behalten.
Er: Aber mir gefällt es eigentlich gar nicht so gut.
(Ich höre und staune, er kann tatsächlich reden!!)
Sie: Egal. Wir nehmen es vorsichtshalber mit und fragen deine Mama.
Sie: So, hier noch das letzte Teil!
(Schade!! Ich war knapp davor rauszuspringen, um noch ein paar Klamotten herbeizukarren!)
Sie: Ha! Vergiss es! Das Ding kann nicht einmal ich ihr schmackhaft machen!
Sie: Zieh‘ dich wieder an, wir gehen!
Sie gehen.
Ich reiße schnell meine Kabinentüre auf und schaue der armen Sau und seiner sau steilen Freundin hinterher.
Vorsichtshalber rufe ich zuhause an, und frage nach, ob es wohl in Ordnung wäre, wenn ich die schwarze Jeans zu 27.- Euro käuflich erwerbte. Nachdem ich nur fassungsloses Schweigen geerntet habe, lege ich das Teil lieber wieder zurück.
Sicher ist sicher.

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