Nur nix be(i)steuern

Flughafen. Das Gepäck wurde aufgegeben, die Bordkarte samt Reisepass sicher verstaut. Es geht in Richtung Gate. Vorher durch den Sicherheitscheck. Plastikbeutelchen mit den Nasentropfen in die Kiste auf das Förderband. Gürtel und Geldbeutel daneben. Handy aus dem Sack! «Nö, weder Laptop noch Tablet dabei.» Durch den Metallrahmen latschen. Betont unschuldiges Gesicht samt ausdrucksloser Miene machen. Noch ein bisschen befummeln lassen, dann wieder alles einpacken. Und plötzlich ist er da. Wie aus dem Nichts, dennoch unüberriechbar: Der Duft der grossen weiten Welt. In Form von Chanel und Paco Rabanne. Der Dutyfree (leider nicht Duftifree). Jener Ort auf der Welt, an dem prinzipiell vernunftbegabte Wesen komplett sinnlose Produkte zu geradezu grotesk überhöhten Preisen kaufen (sollen). Neben den Flacons gibt es da noch Schnaps und Zigaretten. Klar. Und natürlich diese Füllfederhalter eines norddeutschen Herstellers mit französischem Bergnamen. Den gibt’s auch bei jedem Dutyfree auf der ganzen Welt. Genau so jedes Mal frage ich mich, wer zum Teufel sich um drei Uhr in der Frühe 15.000 Kilometer weit weg von daheim im Vorüberrennen einen Dreieinhalbtausendeurofüller kaufen könnte. Gesehen habe ich jedenfalls noch nie jemanden. Wer ist überhaupt die Zielgruppe für so ein dutyfreees Schreibgerät? Ein Regierungschef vielleicht, der auf der Durchreise zum Unterzeichnungstermin eines Staatsvertrages seine Federschachtel zuhause vergessen hat? Wer weiß, kommt vielleicht öfter vor als man denkt…

Aber warum. Warum? WAAARUUUMMM!?! Sollte ich mir am anderen Ende der Welt eine dorthin mühsamst hingekarrte, völlig entwurzelte wie deplatzierte Toblerone zum Preis eines Kleinwagens kaufen? Ein Stück Schokolade, das bei mir um die Ecke einsfufzig kostet? Weshalb eine Mannerschnitte, deren Erwerb die Gesamtkosten meiner Reise verdoppelte? Grotesk. Wer reist extra in ferne Welten, unbekannte und faszinierende Zivilisationen um dann, mitten in den Tropen Fernost-Asiens, Südamerikas oder Afrikas in einem Eiszeit simulierenden, furztrockenen Raum ein Stück Mitteleuropäische Schokolade zu kaufen, das von der Kakaobohne bis zu diesem Regal geschätzte 53.000 km zurückgelegt hat.

Wegen der Steuer. Ich glaube, es ist der Steuern wegen. Wir finden es geil, einmal im Leben ganz offiziell keine Steuern zu bezahlen. Da zahlen wir auch gerne mal was drauf, denn dann schmeckt das Süßi gleich dreifach so super. Da halten wir dann bereitwillig unseren Reisepass und die Bordkarte hin, als ob das irgendeinen Schlunz interessierte. Beobachten mit stolz geschwellter Brust das grell aufflackernde ‚authorized‘ und belasten weltmännisch mittels Kreditkarte unsere Liquidität. Jawoll! Dem Fiskus ein Schnippchen geschlagen, dem blöden Sack!

Fragt sich nur noch, wer genau hier blöde ist.
Knack‘ dir einen Gipfel ab! Knack, knack!
Gell? Das mag man eben!

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