Starallüren

Der Tag des Rockkonzerts ist gekommen. 15:00 Uhr. Einlass. Das Stadion wird von einigen Fans gestürmt. Andere schlendern gemächlich ins Innere des riesigen Ovals. 16:00 Uhr. Die erste Vorgruppe beginnt zu spielen. Ein paar wenige Enthusiasten tanzen und hüpfen vor der Bühne, die meisten sitzen irgendwo am Boden oder unterhalten sich gemütlich in Grüppchen zusammenstehend. Bier wird getrunken. Snacks gegessen. Vor dem Klo angestanden. 17:00 Uhr. Vorgruppe Nummer zwei ist an der Reihe. Vor dem Stadion tummeln sich mittlerweile unzählige Besucher, die sich auf Grund des herausdringenden Sounds noch etwas zieren, hineinzugehen und lieber die umliegenden Kneipen aufsuchen. 18:00 Uhr. Noch mehr Menschen, noch eine Vorgruppe. Langsam steigt die Spannung. 19:00 Uhr. Der Vorgruppenbeschallungsterror hat ein Ende. Konservenmusik und noch mehr Menschen sorgen für die Geräuschkulisse innerhalb und außerhalb der Stadionmauern. Die Umbauarbeiten für ‚die‘ Band des Abends sind auf der Bühne in vollem Gange. 20:00 Uhr. Pünktlichst verstummt die Konserve, die Konzertbesucher bewegen sich in Richtung Bühne und zücken reflexartig ihre Smartphones, Tablets, GoPros, Digicams,…. dann, endlich, DER Moment. Der Leadsänger stürmt im Sprint – gefolgt von seinen Bandmitgliedern – auf die monströse Bühne. Scheinwerfer, Videowände, Laser- und Nebelkanonen beginnen ihre Programmierungen abzuarbeiten. Sofort werden die elektronischen Bildaufzeichnungsgeräte tausendfach in Stellung gebracht und deren stolzgeschwellte Besitzer fotografieren und filmen sich SELFIE! So gut wie keiner richtet die Linse auf die Kapelle! Die verewigen alle sich selbst! Geil oder? Ist das nicht giga geil?! Die zahlen eine Schweinekohle, reisen von was weiß denn ich woher extra an, warten stundenlang sinnlos herum und fotografieren schlussendlich sich selbst! Da kann ich nur sagen: Der Star ist tot, lang leben die Stars!!

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