Täuschgeschäft

Einer Befragung zufolge haben 98% aller auskunftsfreudigen Frauen ihrem Partner zumindest einmal im Zuge ihres Beisammenseins einen Orgasmus vorgetäuscht. Und zwar nicht irgendeinen, sondern den eigenen, klar. Immerhin 68% gaben an, dies regelmäßig zu tun und sage und schreibe über 40% behaupteten sogar von sich, diese schauspielerische Übung während jedes Beischlafs zum Besten zu geben.
Meine lieben Damen, das ist zwar ganz lieb gemeint und wahrscheinlich versucht ihr da die Ratschläge diverser Artikel einschlägiger Zeitschriften pflichtbewusst in die Tat umzusetzen, aber lasst euch gesagt sein, euer gekünsteltes Gehechel und Gefiepse schert im wahrsten Sinne des Wortes keinen Schwanz. Der ist eigentlich nur daran interessiert, selbst durch die Decke zu schießen. Akustisch aufgemotzte Atemübungen zur Untermauerung dieses Aktes sind zwar nett, aber nicht zwingend notwendig.
Da ihr aber offensichtlich motiviert seid, eurem Geliebten mittels hoher Schauspielkunst Gutes zu tun, ihm gepimpte Realitäten und angenehme Scheinwahrheiten angedeihen zu lassen, wüßte ich da wesentlich Gewinn bringendere Anwendungsgebiete als jene, welche im Zuge der gegenseitigen Körperreibung   entstehen. Zum Beispiel wenn er wieder einmal vergisst, seine durch organische Rückstände leicht kontaminierte Unterwäsche fachgerecht in der Waschmaschine zu entsorgen und er diese statt dessen achtlos auf den Schlafzimmerboden wirft…. Mmmmm, ja das wäre eine Top Gelegenheit eure große schauspielerische Begabung aus der Schublade zu ziehen und wohlwollend darüber hinwegzusehen. Oder. Er bleibt lieber vor dem Fernseher lungernd samt Bier und Chips, nur mit besagtem Lendenschurz bekleidet – das CL-Viertelfinale guckend – zuhause, anstatt aufgebrezelt wie ein Christbaum in einem muffigen Saal ein stink langweiliges Theaterstück zu verschlafen. Ha! Erwischt! Genau! Hier wäre jetzt eine eigene, formvollendete Inszenierung gefragt, und die käme sogar ganz ohne tiefes Seufzen aus! Er vergisst den Tag des gemeinsamen Jubiläums und kommt leicht angesoffen kurz vor der Morgenröte nach Hause. Einfach ganz kurz und liebevoll durch sein Haar streicheln und sagen: ‚Schön, dass du da bist.‘ Erledigt. Kein Gequieke, kein angestrengtes Uuuuuuuahhhhh-Oooooohhhoohhho-Hmmmmmmmm-Jaaaaaaaajajajaaaaaaa ist da notwendig. An dieser Stelle könnte ich noch zig Beispiele aus dem Hut zaubern, aber ich denke, euch selbst fallen genug günstige Gelegenheiten ein, bei denen mit ein wenig Schauspielerei die Lebensqualität nachhaltig erhöht werden könnte.
Und weil ihr nun bereits die gesamte Schauspielenergie im Alltag aufgebraucht habt, könntet ihr euren Liebsten zur Abwechslung ja mal richtig am Zipfel packen, um dann ganz unverblümt und vor allem unmissverständlich klarzustellen, wie ihr euch eine zünftige Herumbumserei so vorstellt. Dann müsstet ihr zum einen keine Ekstase nicht mehr vorspielen und zum anderen verringerte sich wie von Geisterhand die Anzahl der herrenlosen wie verschissenen Unterhosen und es erhöhte sich zudem signifikant jene der erquicklichen Theaterbesuche. Und vergessen wird plötzlich gar nix mehr. Klingt komisch, is‘ aber so.

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