versteinerte Miene, starrer Blick

Neulich bei Stefans. Eine Dame, die mit Hilfe ihres gesamten Erscheinungsbildes jedem sofort klar machen will, dass ihr niemand auf dieser Welt was erzählen kann, weil sie drei Kinder groß gezogen hat und nun im zweiten Bildungsweg an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät Pädagogik studiert, bestellte soeben nach eingehendem und sehr langem Betrachten der grünen Menütafel das große Schlemmerfrühstück, was die Kellnerin wiederum ein wenig fassungslos und noch mehr überfordert zur Kenntnis nimmt. Jedenfalls bleibt sie bewegungslos vor der Geiwimama stehen und starrt diese mit großen Augen auf die Unterlippe beißend an. Grund dafür ist der Nachsatz, der unmittelbar auf das Wort Schlemmerfrühstück folgte. Bei diesem sollen nämlich alle Fleisch- und Milchprodukte als auch sämtliche Bestandteile, die Ei enthalten, weggelassen werden. Um die Gesamtsituation besser einschätzen zu können, ist es jetzt wohl an der Zeit, das berühmte Schlemmerfrühstück bei Stefans zum stolzen Preis von 32 Euro näher zu beschreiben:

  • zwei Blatt Parmaschinken
  • zwei Blatt Käse
  • Butter
  • etwas Lachs mit Sahnekren
  • ein hausgemachtes Bircher Müsli
  • wahlweise ein weich gekochtes oder ein Spiegelei
  • ein Griechisches Joghurt mit Honig und Nüssen
  • eine Tasse Cappuccino
  • ein Bagel und ein Vollkornweckerl
  • ein Klecks Kräuterfrischkäse
  • ein Gläschen Sekt oder Orangensaft

Also ich denke, so viel Vorbildlichkeit muss einem schon was wert sein, und schlage vor, die sich vegan ernährende Dame soll doch die zwei trockenen Brötchen vertilgen, diese dann mit ein paar herzhaften Schlucken Sekt hinunterspülen und dafür locker lässig 35 Euro inklusive Trinkgeld hinblättern. Entweder will man die Welt verbessern, oder eben nicht! Und wer so viele verschiedene Farben auf dem Körper trägt, hat ohnehin ganz andere Probleme. Da ist ein etwas überteuertes Frühstück völlig vernachlässigbar.

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