Was weiß denn ich?

In Südafrika gibt es 11 offizielle Amtssprachen. Misha Collins spielt bei der US-Fernsehserie Supernatural mit. Miranda heißt einer der 27 bisher bekannten Monde des Uranus. Die Uraufführung der Oper Rigoletto fand im Jahre 1851 im Teatro La Feine in Venedig statt. Der Ego-Shooter Far Cry 3 wurde von der Softwarefirma Ubisoft entwickelt. Von den Chemischen Elementen Silber, Zinn, Tellur und Barium hat Silber die niedrigste Ordnungszahl im Periodensystem. Günther Jauch wurde nicht etwa in Berlin sondern in Münster geboren. Die erste Türkenbelagerung Wiens begann 1529, die zweite 1683.

Woher ich das alles weiß? Ich weiß es gar nicht, hab’s noch nie gewußt. Ich wußte nicht einmal, dass ich das nicht weiß. Mehr noch. Erst beim Lesen der meisten Fragen habe ich überhaupt erst von der Existenz des Gefragten erfahren. Warum ich mich seit kurzem mit derlei Fragen herumschlage? Das weiß ich selbst nicht. Es ist eine App, die jüngst in mein Leben getreten ist und mir ständig suggeriert, ein dämlicher Dumpfdudler zu sein. Was ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch bin, aber muss ich mir das ausgerechnet von einer popeligen, seelenlosen App unter die Nase reiben lassen? Ständig und immer wieder?

Trübsal blasen ist das eine, das andere wäre, die Frage umzuformulieren. Ist man eigentlich ungebildet, nur weil man die richtigen Antworten eines dummen Quiz’s nicht weiß, oder wäre ich per Definition gebildet, hätte ich jene parat? Nein, nein, ich will mich aus dieser Nummer jetzt nicht rauswinden, ich weiß eh, dass mein Oberstübchen keine Glanzleistungen zu vollbringen im Stande ist, ich denke ja nur leserlich nach (ha-ha, du hast es mir schon wieder geglaubt!!). Nein, stopp, eigentlich will ich auf etwas ganz anderes hinaus, nämlich: Gibt es eine Qualität des Wissens, eine absolute, allgemein gültige? Denn eine Sache ist mir beim Quizzen unübermerkbar aufgefallen: Ich wie auch meine ‚Gegner‘ in der App werten mehr oder weniger unbewusst die Qualität des korrekt Beantworteten. So ist jeder tief beeindruckt, wenn jemand weiß, dass Rembrandts Nachname Harmenszoon van Rijn lautet, gleichzeitig wird aber die richtige Antwort derselben Frage zu einem der Spicegirls als dämlicher wie unnützer Celebrityquatsch abgetan, als eine Frage, die nur primitive Prolls, die sich beim Frisör zu lange die Haare haben bleichen lassen, richtig beantworten können. Dabei bringt einen weder das eine noch das andere Wissen im Leben wirklich weiter, oder? Warum machen wir es also, dieses Wissensranking? Ich habe mal gelesen, dass Johann Wolfgang von Goethe, einer der gebildetsten Menschen seiner Zeit, so ziemlich genau gleich viel wusste wie eine durchschnittliche Regalbetreuerin eines Supermarktes dieser Tage, rein in Kilobyte gemessen. Die beiden wissen also – die absolute Menge an Information betreffend – genau gleich viel. Trotzdem wird der eine als Genie und die andere als kaum geeignet, eine Dose Gulaschsuppe finden zu können, abgestempelt. Gemein, oder? Aber so ist es eben, unser Leben. Gemein.

Ach ja, die App heißt Quizduell und ich bin Ned_Noergla. Komm nur, wenn du dich traust, du Schmalhirn!

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